Interview: Herr Oppermann

MieseMusik Podcast #135

Katja@MM: Lieber Holger aka Herr Oppermann, erstmal allerliebstes Dankeschön, dass du unsere miese Reihe mit einem Set unterstützt! Wir wissen das sehr zu schätzen, zumal wir ja nur unsere Herzen verschenken können 😉 Die dann aber herzlichst!

Wie ist die Lage im schönen Hamburg – die Klubkultur ist ja immer noch allertiefst in der Panedemie-Krise, wie schätzt du die aktuelle Lage ein!?


Herr Oppermann: Ja moin Katja, das Dankeschön gebe ich mehr als gerne zurück und freue mich sehr, bei Euch an Bord sein zu können! Ja, die aktuelle Situation stellt so einiges auf den Kopf und bei all den vielen Meinungen liegt die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen. Aber eine solche Situation gab es vorher auch noch nie, daher ist es auch so schwierig. Auch wenn ich oft als hoffnungsloser Optimist bezeichnet werde, so glaube ich, dass sich vor Ende des Sommers in Sachen Klub- und Künstlerszene nicht viel ändern wird – vielleicht sogar bis Ende des Jahres. Das hier eine Vielzahl von Clubs und Künstlern – nicht nur in Hamburg, schon kurz vor dem Aus sind, stimmt mich traurig. Es gibt viele gute Ansätze um dem entgegen zu wirken wie z. B. Spendenaufrufe, Unterstützungs-Kampagnen oder kreative Ansätze. Ob das schlussendlich ausreichen wird – ich wage es zu bezweifeln, hoffe es aber. 

Katja@MM: Klar, wer irgendwie kann, sollte auf jeden Fall unterstützen, Musik kann man auch kaufen 😉 und so vielleicht seine Plattensammlung oder das digitale Portfolio etwas bereichern – aber wenn in Hamburg „Normalität“ herrscht – wohin zieht es dich dort am liebsten? Hast du einen Geheimtipp für Vinylsuchende? 

Herr Oppermann: Wenn diese denn – hoffentlich bald –  eintritt wird es nicht nur Partys, sondern Party-Orgien geben, da bin ich mir ziemlich sicher. Und ja, es gibt einen Lieblingsort – quasi mein „Clubwohnzimmer“ – das „Fundbureau“ unter der Sternbrücke in Hamburg. Nicht nur, weil hier meine Hochzeit stattfand, es hier grandiose Veranstaltungen gibt und es immer ein fast familiäres Feeling dort ist. So oder so ist das ganze Sternbrücken-Areal mit dem Waagenbau und der Beatboutique, in der wir mit der Klangextase immer unsere Veranstaltungen durchführen ein – ich möchte fast sagen „Club-Kleinod“. Doch leider steht das ganze Areal schon seit mehreren Jahren unter einem schlechten Stern, da die Brücke saniert werden soll. Ich hoffe ganz inständig, dass dies noch ein wenig hinausgezögert werden kann, oder hier ein gutes Ausgleichskonzept gefunden werden kann.

Da ich dem „schwarzen Gold“ nach wie vor treu geblieben bin, wäre meine erste Adresse für Vinyl hier in Hamburg auf jeden Fall „Smallville“ im Neuen Kamp. Wenn ich aber mal wieder in meiner Heimatstadt Göttingen bin, muss ein Besuch beim „Entertainment Store“ sein, in dem ich vor einigen Jahren auch einmal gearbeitet habe.  

Katja@MM: Perfekt, unsere Reiseliste ist auf jeden Fall schon mal ergänzt, danke auch für den Tipp in Göttingen, das ist von Kassel aus ein Katzensprung – apropos Kassel, offensichtlich verbindet uns beide eine Oldschool-Techno-Sozialisation im besten Club der 90er Jahre, dem grandiosen Aufschwung Ost bzw. dem Stammheim in Kassel – und du kommst gebürtig ja aus Göttingen. Gibt es irgendwas an der alten Schule, was dich bis heute geprägt hat  oder was du vermisst – oder lässt du die alten Zeiten lieber ruhen? 

Herr Oppermann: Richtig, ich komme aus Göttingen und habe dort so einige wilde Zeiten erlebt – darunter auch legendäre Nächte im Stammheim. Wahrscheinlich sind wir uns da auch über den Weg gelaufen, mein Place to be war immer das Housecafé! Als „alte Schule“ möchte ich das aber fast eher nicht bezeichnen, es war eine andere Zeit, eine aufstrebende Zeit in der viel möglich war und vieles neu war. Geprägt hat mich die Zeit mit Sicherheit – Dinge beispielsweise nicht so verbissen zu sehen, Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein – oder einfach über den Tellerrand blicken zu können. Vermissen – nein, so würde ich das nicht nennen wollen. Vergessen werde ich die Zeit aber wohl niemals und bin froh dabei gewesen zu sein. Es war eine tolle Zeit, aber die kann man immer wieder erleben und das durfte ich hier in Hamburg auf jeden Fall. Den Satz „früher war alles besser“ möchte ich daher auch nicht sagen, denn Dinge und Musik ändern sich und das ist auch gut so, denn sonst könnte sich auch nichts weiterentwickeln. 

Katja@MM: Es gilt wohl, alles hat seine Zeit, da bin ich ganz bei dir und möchte zwar die Nächte im Housecafé auch nicht missen, verliere mich aber genauso gern auch heute in einem guten Club mit naiser Crowd in gutem Sound. Dann hoffen wir mal, dass das Sternbrücken-Areal mit dem Waagenbau und der Beatboutique die Zeiten übersteht!  

Als Mitglied der hochgeschätzten Klangextase-Reihe und soundbewegter Mensch hast du ein recht breites musikalisches „Einzugsgebiet“ – welche Crews & Artists haben es dir gerade angetan? 

Herr Oppermann: Uhhhh, danke für die Blumen! Nun ja, vor allem durch Klangextase bekommt man vor allem auch internationale Einflüsse, z.B. aus Brasilien oder Australien. Meine aktuellen – oder teilweise auch langjährigen Favoriten kommen dann aber doch eher aus dem europäischen Raum. Der Künstler Gorge, der auch eines meiner Lieblingslabels 8Bit betreibt, ist z.B. einer davon, oder Kastis Torrau von Click Records aus Amsterdam. Auch die Releases und Crew vom Hamburger Label Tächno sind definitiv auf meiner Favoritenliste, genauso wie die vom Leipziger Plattenlabel MoonHarbour. Es gibt da so einige, aber das wären zumindest einige davon.

Katja@MM:  Ach schau, Gorge haben wir bei Events der genialen Refreshyourmind Crew aus Frankfurt live genossen, topp! Und dem ein oder anderen der Genannten werden wir gleich mal hinterherchecken. Verrätst du uns noch, welche 3 Tracks du jederzeit unbedingt mit auf eine einsame Insel nehmen würdest, so als Überlebensrüstzeug?

Herr Oppermann: Puhhh, die berühmte Track Frage (grinst) ;). Wirklich nur 3 ? 

The man with the red face – Laurent Garnier 

Talker – Olliver Giacommotto

Chaska (Original Mix) – Gorge, Markus Homm

Katja@MM: (Kopfwippend fröhlich lächelnd den 3 Tracks lauschend): Last but not least: Welche Projekte stehen zur Zeit an? Auf was können wir uns in naher Zukunft freuen.

Herr Oppermann: Nun, was Veranstaltungen angeht, sind die Möglichkeiten momentan vielleicht etwas eingeschränkt, dennoch planen wir mit Klangextase eine Clubtour im Ausland, aber das ist natürlich abhängig von den Entwicklungen. Auch unsere Veranstaltungsreihe in der Hamburger Beatboutique soll natürlich weitergehen – wenn denn dann das alles mit der Normalität auch ohne Unwahrscheinlichkeitsdrive ganz bald eintritt. Weiterhin natürlich Klangextase weiter auszubauen und noch mehr in den internationalen Fokus zu bringen. Und vielleicht schaffe ich es, eben auf Grund der aktuellen Zeit auch endlich mal meinen ersten eigenen Track rauszubringen – viel fehlt jedenfalls nicht mehr.

Katja@MM: „Unwahrscheinlichkeitsdrive“ muss ich mir merken, dann drücken wir die Daumen feste für den Track und die Tour 😉 Auf jeden Fall again ganz lieben Dank und dicken Hug fürs Mitmischen – ich war nach dem Opener deines Sets schon sowas von hin und weg – wir hoffen, dich bald mal in Hamburg zu sehen & die Wiederbelebung der Clubs gebührend feiern zu können: THE RAVE NEVER STOPS!

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