Interview: Thomas Stieler

MM Podcast #134

Katja@MieseMusik: Thomas – megastark, dass du dir Zeit für einen zweiten Miesen Podcast genommen hast. Irgendwie krass, dass seit deinem ersten MieseMix  für uns schon 6 Jahre vergangen sind. Und es muss 2015 gewesen sein, als ich dich das erste Mal in Leipzig im Elipamanoke live gehört hab, damals bin ich einer Einladung von DJ Credes gefolgt. Mega gute Nacht, übrigens!!

Damals war dein Lebensmittelpunkt noch nicht München. Wie kam’s zu dem Umzug und wo kann man dich normalerweise auflegen hören (wenn nicht gerade die Welt wegen einer Pandemie stillsteht). 

Thomas: Hey Katja, ich hoffe dir geht es gut? Ja, verrückt, ich war auch sehr überrascht, dass schon wieder 6 Jahre vergangen sind. Tatsächlich habe ich mich sehr gefreut, als Miese Musik vor einem halben Jahr relaunched wurde und dann stand für mich sofort fest, dass ich wieder einen Mix beisteuern möchte.

Der Umzug nach München kam in 2015, nachdem ich 2014 mit meiner Freundin zusammen gekommen bin und sie mir die Ansage machte: „Entweder du kommst nach München oder wir lassen es bleiben.“  Das hab ich mir kein zweites Mal sagen lassen. 😉 In München kann man mich normalerweise jeden Montag im Pimpernel hören und am Wochenende im ganzen Bundesgebiet, von Berlin über Leipzig, Frankfurt, Köln usw. Aktuell kann ich leider nur meine Freundin und unsere Katzen mit Musik beschallen. 😉 

Katja: Danke Thomas – alles stabil in Kassel, wenn auch nichts normal ist zur Zeit. Aber die wichtigen Dinge bleiben ja präsent – vor allem Musik und Freundschaften. Wir sind dir ja musikalisch immer eng auf dem Fersen geblieben und ich steh ja besonders  auf deinen grundsätzlich tanzbaren & housigen Sound, aber im Grunde kann man deinen musikalischen Variationsreichtum gar nicht so leicht festzurren. Welche Musik beeinflusst dich zur Zeit und treibt dich an?

Thomas: Du hast völlig Recht, Katja. Ich bin ein totaler Verfechter der House Musik in all ihren Facetten, aber es gibt schon ab und an Momente, in denen ich Lust auf eine technoidere Nummer habe. Einmal im Jahr kommt es sogar vor, dass ich ein reines Techno Set spiele, aber das sind dann spezielle Anfragen von Clubs. 

Es prasseln sehr sehr viele musikalische Einflüsse auf mich ein. Ich versuche immer eine Symbiose aus dem Sound der Gegenwart und der Vergangenheit zu schaffen, um meinen eigenen Sound der Zukunft zu gestalten. Leute wie Traumer, Lazare Hoche, S.A.M, Malin Genie, Brawther, iO Mulen, Archie Hamilton, Apollonia uvm. beeinflussen gerade meinen aktuellen Sound, aber ich schaue auch immer darauf, was die Housegrößen um Chez Damier, Ron Trent, Kerri Chandler, Masters At Work, DJ Sneak usw. vor 1-2 Dekaden gespielt haben.

Katja: Dieses Wandern zwischen Sounds und Stimmungen unterschiedlicher Genres und auch Dekaden trägt zu deinem unverwechselbaren Stil bei!  Auch deine eigenen Produktionen sind Ausdruck deiner ausgeprägten musikalischen Expertise, Kreativität und Aufgeschlossenheit, hier mal für unsere Lauscher_innen ein paar Kostproben:

Thomas Stieler – Free Zone EP

Daniel Stefanik & Thomas Stieler – Number 3 [RC046]

Oliver Klostermann – Jungle Fever (Thomas Stieler’s What You Say Remix)

Zurück zum Text: Natürlich können wir die aktuelle Situation nicht ohne Blick auf ein mehr oder weniger existenzielles Problem für die gesamte Musikkultur betrachten, die Schließung der Clubs und das Aussetzen musikalischer Veranstaltungen auf unbestimmte Zeit, die viele Musik- und Kulturschaffende und auch zugehörige Berufsgruppen in große Nöten bringt. Wie nimmst du die aktuelle Krisensituation selbst als Künstler war? 

Thomas: Für meine Kollegen und mich, die von der Musik leben, ist die aktuelle Situation natürlich der Super GAU. Alle Clubtermine, aber auch schon sehr viele Festivalauftritte, wurden verschoben oder ganz und gar abgesagt. Klar sind nicht nur wir Künstler bedroht, sondern auch ganz viele Clubs, Festivals und andere Kulturstätten stehen vor dem aus. Es gibt mittlerweile Soli Tickets, Start Next Aktionen und weitere tolle Arten die Szene zu unterstützen und ich hoffe stark darauf, dass nicht alle Ticketbesitzer für die Festivalsaison ihre Tickets zurückgeben, denn das würde das Clubsterben extrem beschleunigen. Der „positive“ Aspekt ist, dass sich viele Kulturschaffende neue Ideen einfallen lassen oder bereits bestehenden Infrastruktur nutzen, um die Musik an ihre Fanbase zu bekommen.  
Gefühlt bekomme ich pro Tag 20 Benachrichtigungen, dass gerade ein Livestream gestartet wurde. 😉 Aber es gibt auch Kollegen, die die Zeit anders nutzen und sich komplett im Studio einschließen, um an neuen Produktionen zu basteln. Ich nutze die freie Zeit sowohl im Studio, um neue Musik zu machen oder eben Podcasts, als auch um endlich etwas Sport zu treiben, denn das habe ich die letzten 10 Jahre etwas schleifen lassen. 😀

Katja: Offensichtlich teilen wir da die Liebe zum Laufen 😉 Als Musikliebhaber_in ist es schon ziemlich genial, in dieser Leerlaufphase mit so vielen guten Streams versorgt zu werden, auch wenn das Tanzen im Wohnzimmer immer schmerzlich an das erinnert, was fehlt. Aber auch das wird ein Ende haben – und an dieser Stelle nochmal der Aufruf, das Möglichste zur Unterstützung der Musikszene und Klubkultur zu tun (Spenden, Musik kaufen, Fanartikel horten 😉 

Schräg, zur Zeit kann man nicht einmal die kommenden Events in den Blick nehmen, was wir natürlich in unseren Interviews immer machen, aber vielleicht hast du ja langfristige Projekte am Start, über die du schon etwas verraten kannst.

Thomas: Wir können uns wohl darauf einstellen, dass bis Ende August keine Veranstaltungen durchgeführt werden dürfen. Ich muss zugeben, das Nachtleben fehlt mir schon sehr. Aber ich bin optimistisch, dass es weiter geht. Ein paar Events, die jetzt im Frühjahr hätten stattfinden sollen, wurden in Herbst verlegt, z.B .unser Paracou Showcase im Tanzhaus West in Frankfurt mit Marek Hemmann, Mathias Kaden, Iris Menza, Christian Burkhardt, Norman Weber und mir. Weitere Veranstaltungen für Herbst und Winter sind in der Planung.

Katja: Zum Schluss unsere Frage nach deinen Lieblingstracks – ohne welche 3 Tracks könntest du zur Zeit keine Woche Quarantäne überstehen… 

Thomas: Meine Top 3 Quarantäne Tracks:

1. Fouk – I’ll be down (Hugo LX Meteor mix)

2. The Deep – Love Your Brother

3. Enrico Mantini – What U Want (Chris Stussy & DJOKO Remix) – leider nicht auf Vinyl erschienen

Katja: Hach, was eine spannende Auswahl, lenkt mich gerade sehr ab – aber wir sind ja schon durch den kleinen Fragenkatalog – ich hoffe einfach mal drauf, dich bald mal wieder live zu hören und in echt und Farbe zu sehen. Denn trotz aller Streams – nichts geht über einen basswummernden Dancefloor mit glücklich tanzenden Menschen 😉 Liebsten Dank für den zweiten maximal MiesenMix, stay strong, safe & healthy ❤ 

Ein Kommentar zu “Interview: Thomas Stieler

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