Interview: Pen Perry

MieseMusik Podcast #128
https://soundcloud.com/miesemusik/penperry

Katja@MM: Coole Sache, dass du für uns einen miesen Podcast einspielst, Perry! Wenn mich nicht alles täuscht, ist damit zum ersten Mal ein Beitrag aus Leipzig dabei 😉 Gibt es sowas wie einen „Leipzig Sound“ – und was verbindet dich mit der Music Community in Leipzig?

P: Hallo ihr „Miesen“, sehr gerne. Dabei ist Leipzig, was Techno betrifft, nebst der unzähligen Subgenres, alles andere als ein unbeschriebenes Blatt! 

Hier sei auch die „Distillery“, der älteste Technoclub im Osten erwähnt, in dessen Keller man mindestens einmal getanzt und wenn’s als DJ klappt, auch mal gespielt haben muss, wenn man auch härteren Techno mag. Auch die Anlage ist super, besonders der Bass den man auch oft im Brustkorb und gelegentlich in der Magengegend spürt und mein persönliches Highlight als DJ sind die Monitorboxen: WTF!!! Was für ein satter Sound einem da ins Gesicht geklatscht wird! 

Verhältnismäßig zu anderen deutschen Großstadtclubs, die ich bespielt oder betanzt habe, empfinde ich den technoiden Sound in Leipzig überwiegend straight „geradeaus“, trocken und düster. Da geht es auf jeden Fall vorwärts. Nicht selten ohne viel „Schnick Schnack“, mit kurzen Drops und wenn es doch mal melodisch wird, dann am ehesten in Richtung Melancholie. 

Dann gibt es in Leipzig noch die vielen Crews unterschiedlicher Generationen, die mit viel Elan Open Airs organisieren und zum Teil auch in der Clublandschaft integriert sind. Da gibt es unzählige Facetten und bei den meisten Crews hört und sieht man die Leidenschaft die Inne wohnt. 

Die Housemusik ist überwiegend schwer und dreckig, gelegentlich auch „hier und da“ mal verspielt, aber auch andere elektronische Genres, funky und trashiger Sound oder klassisch (aber doch irgendwie Indy) klingende Discomukke, kann man hier tanzen, in einigen der unzähligen Bars und Kneipen, welche mancherorts auch einen Tanzraum haben. An dieser Stelle möchte ich auch gern das „Casa Pepe“ erwähnen, eine gemütliche Szenelocation, vorne Kneipe, dazwischen Lounge und Hinten Dancefloor, dass war vor kurzem noch eine Fahrradwerkstatt mit Barbetrieb und ist nach wie vor sehr zu empfehlen.  Der Dancefloor ist zwar zeimlich klein, hier tanzt am besten wer zuerst kommt und dann kann man sich seinen tanz-m² auch ganz gut behaupten. Das Feeling dort ist auf jeden Fall mehr als einen Besuch Wert und es treten viele ansässige Künstler auf, hier ist musikalische Subkultur.

In erster Linie verbindet mich mit der „Leipziger Musik Community“, dass ich selbst ganz gern tanzen gehe, am liebsten im oben erwähnten Club. 🙂  Ansonsten kennt man sich, hilft sich aus und spricht sich ab, wenn man einmal ein bisschen integriert ist – ich lebe seit 12 Jahren hier. Hier gibt es auch ein gut funktionierendes Club-Kollektiv, weil auch hier die Gentrifizierung ein Thema ist, es konnte schon erste Erfolge im Dialog mit der Stadt verbuchen.

Übrigens spiele ich nicht unbedingt das, was hier am ehesten läuft, ich bevorzuge Progressive House und Tech House und wenn ich mal Techno spiele, dann ganz gern auch ein bisschen melodisch und dennoch derb. Weil ich sehr viele Facetten in der Musik liebe, mache ich  auch gern einen Abstecher in Richtung „dreckige und schwere House Musik“ und spiele auch gern mal im Keller „düsteren und straighten Techno“ was beides, wie auch mein eigener Sound gern angenommen wird. Ich bemühe mich möglichst empathisch aufzulegen und ich denke, das macht letztendlich auch die tolle Stimmung auf dem Dancefloor aus.

Katja@MM: Kann ich absolut nachvollziehen – die Distillery ist eine Legende – denke, ist für die Leipziger Community so ein Heiligtum wie für uns aus Kassel das Stammheim bzw. früher auch Aufschwung Ost. Um so mehr freu ich mich auf die Xmas Party & meine ersten Besuch in den ehrwürdigen Hallen! Wobei „schwere und dreckige“ Housemusik auch wahnsinnig verlockend klingt, vielleicht sollte ich öfters bei euch vorbeischauen 😉

Zurück zu dir – deinen Sound fanden wir mega gut und spannend und die Hörer*innen können sich jetzt selbst überzeugen. Im Netz hab ich gelesen, dass du mit 12 Jahren Gitarre gelernt hast. Wie bist du von (vermutlich analoger) Musik zu elektronischen Musik gekommen?

P: Ja, ich habe mir als Kind, immer wenn es, des schenkens und beschenkt werdens, in unserer Kultur, würdige Anlässe wie Weihnachten oder Geburtstage gab, ausschließlich Musikinstrumente gewünscht, die ich glücklicherweise schnell begriff und mir das spielen selbst aneignen konnte, jedenfalls die Basics. 

Irgendwann wollte ich gern ganze Stücke komponieren und arrangieren, mit verschiedenen Instrumenten und so kam ich zu ’ner Art digitalen Sequenzer mit digitalen Synthesizern, Drumcomputern, Effekten und was man so alles brauch, womit ich meine Instrumente sogar virtuell selbst erzeugen und verschiedene Spuren aufnehmen und zusammenmischen konnte. Als digitales Tonstudio nutze ich „Propellerheads Reason“ , das ist für mich ein guter Allrounder indem ich alle erwähnten Elemente kompakt und digital auf dem Computer habe, seit kurzem endlich auch fähig, VST Plugins einzubinden, da hing Reason eine Weile hinterher, darauf habe ich sehnlichst gewartet. ❤

Parallel zum Producing, tanzte ich in einer Breakdance Crew und als wir irgendwann auch öffentliche Auftritte hatten, brauchten wir auch Musik, die wir mit unserer Performance abstimmen konnten und da unser Jugendclub, indem wir auch einen Trainingsraum hatten, auch Turntables und einen Mixer beherbergte, übte ich an diesen, bis wir unsere erste Mix CD für unsere Shows hatten. Der erste Track selbiger war übrigens „Grandmaster Flash – The Message“, den ich heute noch ganz gerne spiele, so kam ich zu Deejaying.

Katja@MM: Wie geil – Breakdance Gruppe klingt klasse! Und witzig, meine musikalischen Wurzeln liegen auch eher im Rap (Public Enemy, Run DMC, Jungle Brothers, DelaSoul usw.) Und cool, „The Message“ hab ich noch in keinem Set gehört, wär mal nachts ein Knüller. Oki – du bist und warst immer fleißig mit Musikproduktionen – hast du einen persönlichen Liebling? Und arbeitest du (gerne) mit anderen Musiker*innen bzw. Künstler*innen zusammen?

P: Cool, Run DMC feierte ich auch. Mein Absoluter Favorit ist schon immer Stephan Bodzin, er spricht mir mit seiner Musik förmlich aus der Seele. Das kommt ganz darauf an, da muss die Chemie stimmen und man muss den gemeinsamen Flow finden, Vorzugsweise produziere ich aber allein, weil ich Teile meines Inneren mit meiner Musik ausdrücke. Wenn’s um Jammen geht, bin ich aber gern dabei. In meiner Jugend habe ich in einer Band gespielt, daran erinnere ich mich gern zurück. 🙂

Katja@MM: Stell dir vor du hättest einen Wunsch frei – mit wem würdest du gerne mal ein b2b rocken?

P: Die Frage kann ich im Vorfeld nicht beantworten. Erst wenn man gemeinsam spielt, merkt man ja eigentlich erst, ob das Set harmoniert, dass – wie es sich anfühlt – … Musik ist für mich ein Gefühl, die kann ich nicht planen. Aber wenn die Chemie passt, bin ich für B2B’s gerne offen.

Katja@MM: Noch so eine fiktive Frage, aber immer wieder spannend, die Antwort zu hören: Wenn du eine Woche auf einer einsamen Insel wärst und dein Marschgepäck sich auf 3 Lieblingsscheiben beschränken würde, welche kämen denn in Frage?

P: 

Liszt – La Campanella

U-Tern & AJK – Side Ways

Desmond Dekker & The Aces – Israelites

Katja@MM: Ui, deine ausgewählten Tracks laufen gerade im Hintergrund – das ist mal eine verblüffende Sammlung 🙂 An dieser Stelle noch ein kleiner Blick in die Zukunft: An was arbeitest du zur Zeit? Wo kann mich demnächst live erleben?

In naher Zukunft werde ich bis nächsten Sommer erstmal nur noch am 25.12.19 im „Absturz Leipzig“ (Das war mal ein Computerreparaturgeschäft^^) zu hören sein und ansonsten auf ein paar kleinen Partys Jenseits der Öffentlichkeit („Ask your local network“ sagt man hier so schön), weil ich mich die letzten Jahre intensiv aufs Deejaying fokussiert und nichts mehr produziert habe und mich nun wieder aufs Producing fokussieren möchte. Eventuelle Bookings schliesse ich nicht völlig aus.

Anstehen erstmal 2 Progressive House EP’s, eine Techno und eine Tech House EP, 2 Remixe und bestimmt auch ein paar Singles.

Katja@MM: Yeah, da geht aber massiv was – wir sind gespannt! Und nochmal dickes Danke fürs Mitmischen!

Ich danke ebenfalls und vielleicht sehen wir uns ja noch auf der „XMas Party“ in den „heiligen Hallen“ der Tille 😉 

Ich  möchte gerne noch ein paar Links zur leipziger Clubkultur erwähnen:

https://www.facebook.com/raveatnight

https://www.kraftfuttermischwerk.de

https://drugscouts.de

Und ihr da draußen – schaut vorbei:

https://www.youtube.com/penperry

https://www.facebook.com/penperry

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