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Interview: Herr Oppermann

MieseMusik Podcast #135

Katja@MM: Lieber Holger aka Herr Oppermann, erstmal allerliebstes Dankeschön, dass du unsere miese Reihe mit einem Set unterstützt! Wir wissen das sehr zu schätzen, zumal wir ja nur unsere Herzen verschenken können 😉 Die dann aber herzlichst!

Wie ist die Lage im schönen Hamburg – die Klubkultur ist ja immer noch allertiefst in der Panedemie-Krise, wie schätzt du die aktuelle Lage ein!?


Herr Oppermann: Ja moin Katja, das Dankeschön gebe ich mehr als gerne zurück und freue mich sehr, bei Euch an Bord sein zu können! Ja, die aktuelle Situation stellt so einiges auf den Kopf und bei all den vielen Meinungen liegt die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen. Aber eine solche Situation gab es vorher auch noch nie, daher ist es auch so schwierig. Auch wenn ich oft als hoffnungsloser Optimist bezeichnet werde, so glaube ich, dass sich vor Ende des Sommers in Sachen Klub- und Künstlerszene nicht viel ändern wird – vielleicht sogar bis Ende des Jahres. Das hier eine Vielzahl von Clubs und Künstlern – nicht nur in Hamburg, schon kurz vor dem Aus sind, stimmt mich traurig. Es gibt viele gute Ansätze um dem entgegen zu wirken wie z. B. Spendenaufrufe, Unterstützungs-Kampagnen oder kreative Ansätze. Ob das schlussendlich ausreichen wird – ich wage es zu bezweifeln, hoffe es aber. 

Katja@MM: Klar, wer irgendwie kann, sollte auf jeden Fall unterstützen, Musik kann man auch kaufen 😉 und so vielleicht seine Plattensammlung oder das digitale Portfolio etwas bereichern – aber wenn in Hamburg „Normalität“ herrscht – wohin zieht es dich dort am liebsten? Hast du einen Geheimtipp für Vinylsuchende? 

Herr Oppermann: Wenn diese denn – hoffentlich bald –  eintritt wird es nicht nur Partys, sondern Party-Orgien geben, da bin ich mir ziemlich sicher. Und ja, es gibt einen Lieblingsort – quasi mein „Clubwohnzimmer“ – das „Fundbureau“ unter der Sternbrücke in Hamburg. Nicht nur, weil hier meine Hochzeit stattfand, es hier grandiose Veranstaltungen gibt und es immer ein fast familiäres Feeling dort ist. So oder so ist das ganze Sternbrücken-Areal mit dem Waagenbau und der Beatboutique, in der wir mit der Klangextase immer unsere Veranstaltungen durchführen ein – ich möchte fast sagen „Club-Kleinod“. Doch leider steht das ganze Areal schon seit mehreren Jahren unter einem schlechten Stern, da die Brücke saniert werden soll. Ich hoffe ganz inständig, dass dies noch ein wenig hinausgezögert werden kann, oder hier ein gutes Ausgleichskonzept gefunden werden kann.

Da ich dem „schwarzen Gold“ nach wie vor treu geblieben bin, wäre meine erste Adresse für Vinyl hier in Hamburg auf jeden Fall „Smallville“ im Neuen Kamp. Wenn ich aber mal wieder in meiner Heimatstadt Göttingen bin, muss ein Besuch beim „Entertainment Store“ sein, in dem ich vor einigen Jahren auch einmal gearbeitet habe.  

Katja@MM: Perfekt, unsere Reiseliste ist auf jeden Fall schon mal ergänzt, danke auch für den Tipp in Göttingen, das ist von Kassel aus ein Katzensprung – apropos Kassel, offensichtlich verbindet uns beide eine Oldschool-Techno-Sozialisation im besten Club der 90er Jahre, dem grandiosen Aufschwung Ost bzw. dem Stammheim in Kassel – und du kommst gebürtig ja aus Göttingen. Gibt es irgendwas an der alten Schule, was dich bis heute geprägt hat  oder was du vermisst – oder lässt du die alten Zeiten lieber ruhen? 

Herr Oppermann: Richtig, ich komme aus Göttingen und habe dort so einige wilde Zeiten erlebt – darunter auch legendäre Nächte im Stammheim. Wahrscheinlich sind wir uns da auch über den Weg gelaufen, mein Place to be war immer das Housecafé! Als „alte Schule“ möchte ich das aber fast eher nicht bezeichnen, es war eine andere Zeit, eine aufstrebende Zeit in der viel möglich war und vieles neu war. Geprägt hat mich die Zeit mit Sicherheit – Dinge beispielsweise nicht so verbissen zu sehen, Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein – oder einfach über den Tellerrand blicken zu können. Vermissen – nein, so würde ich das nicht nennen wollen. Vergessen werde ich die Zeit aber wohl niemals und bin froh dabei gewesen zu sein. Es war eine tolle Zeit, aber die kann man immer wieder erleben und das durfte ich hier in Hamburg auf jeden Fall. Den Satz „früher war alles besser“ möchte ich daher auch nicht sagen, denn Dinge und Musik ändern sich und das ist auch gut so, denn sonst könnte sich auch nichts weiterentwickeln. 

Katja@MM: Es gilt wohl, alles hat seine Zeit, da bin ich ganz bei dir und möchte zwar die Nächte im Housecafé auch nicht missen, verliere mich aber genauso gern auch heute in einem guten Club mit naiser Crowd in gutem Sound. Dann hoffen wir mal, dass das Sternbrücken-Areal mit dem Waagenbau und der Beatboutique die Zeiten übersteht!  

Als Mitglied der hochgeschätzten Klangextase-Reihe und soundbewegter Mensch hast du ein recht breites musikalisches „Einzugsgebiet“ – welche Crews & Artists haben es dir gerade angetan? 

Herr Oppermann: Uhhhh, danke für die Blumen! Nun ja, vor allem durch Klangextase bekommt man vor allem auch internationale Einflüsse, z.B. aus Brasilien oder Australien. Meine aktuellen – oder teilweise auch langjährigen Favoriten kommen dann aber doch eher aus dem europäischen Raum. Der Künstler Gorge, der auch eines meiner Lieblingslabels 8Bit betreibt, ist z.B. einer davon, oder Kastis Torrau von Click Records aus Amsterdam. Auch die Releases und Crew vom Hamburger Label Tächno sind definitiv auf meiner Favoritenliste, genauso wie die vom Leipziger Plattenlabel MoonHarbour. Es gibt da so einige, aber das wären zumindest einige davon.

Katja@MM:  Ach schau, Gorge haben wir bei Events der genialen Refreshyourmind Crew aus Frankfurt live genossen, topp! Und dem ein oder anderen der Genannten werden wir gleich mal hinterherchecken. Verrätst du uns noch, welche 3 Tracks du jederzeit unbedingt mit auf eine einsame Insel nehmen würdest, so als Überlebensrüstzeug?

Herr Oppermann: Puhhh, die berühmte Track Frage (grinst) ;). Wirklich nur 3 ? 

The man with the red face – Laurent Garnier 

Talker – Olliver Giacommotto

Chaska (Original Mix) – Gorge, Markus Homm

Katja@MM: (Kopfwippend fröhlich lächelnd den 3 Tracks lauschend): Last but not least: Welche Projekte stehen zur Zeit an? Auf was können wir uns in naher Zukunft freuen.

Herr Oppermann: Nun, was Veranstaltungen angeht, sind die Möglichkeiten momentan vielleicht etwas eingeschränkt, dennoch planen wir mit Klangextase eine Clubtour im Ausland, aber das ist natürlich abhängig von den Entwicklungen. Auch unsere Veranstaltungsreihe in der Hamburger Beatboutique soll natürlich weitergehen – wenn denn dann das alles mit der Normalität auch ohne Unwahrscheinlichkeitsdrive ganz bald eintritt. Weiterhin natürlich Klangextase weiter auszubauen und noch mehr in den internationalen Fokus zu bringen. Und vielleicht schaffe ich es, eben auf Grund der aktuellen Zeit auch endlich mal meinen ersten eigenen Track rauszubringen – viel fehlt jedenfalls nicht mehr.

Katja@MM: „Unwahrscheinlichkeitsdrive“ muss ich mir merken, dann drücken wir die Daumen feste für den Track und die Tour 😉 Auf jeden Fall again ganz lieben Dank und dicken Hug fürs Mitmischen – ich war nach dem Opener deines Sets schon sowas von hin und weg – wir hoffen, dich bald mal in Hamburg zu sehen & die Wiederbelebung der Clubs gebührend feiern zu können: THE RAVE NEVER STOPS!

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Interview: Thomas Stieler

MM Podcast #134

Katja@MieseMusik: Thomas – megastark, dass du dir Zeit für einen zweiten Miesen Podcast genommen hast. Irgendwie krass, dass seit deinem ersten MieseMix  für uns schon 6 Jahre vergangen sind. Und es muss 2015 gewesen sein, als ich dich das erste Mal in Leipzig im Elipamanoke live gehört hab, damals bin ich einer Einladung von DJ Credes gefolgt. Mega gute Nacht, übrigens!!

Damals war dein Lebensmittelpunkt noch nicht München. Wie kam’s zu dem Umzug und wo kann man dich normalerweise auflegen hören (wenn nicht gerade die Welt wegen einer Pandemie stillsteht). 

Thomas: Hey Katja, ich hoffe dir geht es gut? Ja, verrückt, ich war auch sehr überrascht, dass schon wieder 6 Jahre vergangen sind. Tatsächlich habe ich mich sehr gefreut, als Miese Musik vor einem halben Jahr relaunched wurde und dann stand für mich sofort fest, dass ich wieder einen Mix beisteuern möchte.

Der Umzug nach München kam in 2015, nachdem ich 2014 mit meiner Freundin zusammen gekommen bin und sie mir die Ansage machte: „Entweder du kommst nach München oder wir lassen es bleiben.“  Das hab ich mir kein zweites Mal sagen lassen. 😉 In München kann man mich normalerweise jeden Montag im Pimpernel hören und am Wochenende im ganzen Bundesgebiet, von Berlin über Leipzig, Frankfurt, Köln usw. Aktuell kann ich leider nur meine Freundin und unsere Katzen mit Musik beschallen. 😉 

Katja: Danke Thomas – alles stabil in Kassel, wenn auch nichts normal ist zur Zeit. Aber die wichtigen Dinge bleiben ja präsent – vor allem Musik und Freundschaften. Wir sind dir ja musikalisch immer eng auf dem Fersen geblieben und ich steh ja besonders  auf deinen grundsätzlich tanzbaren & housigen Sound, aber im Grunde kann man deinen musikalischen Variationsreichtum gar nicht so leicht festzurren. Welche Musik beeinflusst dich zur Zeit und treibt dich an?

Thomas: Du hast völlig Recht, Katja. Ich bin ein totaler Verfechter der House Musik in all ihren Facetten, aber es gibt schon ab und an Momente, in denen ich Lust auf eine technoidere Nummer habe. Einmal im Jahr kommt es sogar vor, dass ich ein reines Techno Set spiele, aber das sind dann spezielle Anfragen von Clubs. 

Es prasseln sehr sehr viele musikalische Einflüsse auf mich ein. Ich versuche immer eine Symbiose aus dem Sound der Gegenwart und der Vergangenheit zu schaffen, um meinen eigenen Sound der Zukunft zu gestalten. Leute wie Traumer, Lazare Hoche, S.A.M, Malin Genie, Brawther, iO Mulen, Archie Hamilton, Apollonia uvm. beeinflussen gerade meinen aktuellen Sound, aber ich schaue auch immer darauf, was die Housegrößen um Chez Damier, Ron Trent, Kerri Chandler, Masters At Work, DJ Sneak usw. vor 1-2 Dekaden gespielt haben.

Katja: Dieses Wandern zwischen Sounds und Stimmungen unterschiedlicher Genres und auch Dekaden trägt zu deinem unverwechselbaren Stil bei!  Auch deine eigenen Produktionen sind Ausdruck deiner ausgeprägten musikalischen Expertise, Kreativität und Aufgeschlossenheit, hier mal für unsere Lauscher_innen ein paar Kostproben:

Thomas Stieler – Free Zone EP

Daniel Stefanik & Thomas Stieler – Number 3 [RC046]

Oliver Klostermann – Jungle Fever (Thomas Stieler’s What You Say Remix)

Zurück zum Text: Natürlich können wir die aktuelle Situation nicht ohne Blick auf ein mehr oder weniger existenzielles Problem für die gesamte Musikkultur betrachten, die Schließung der Clubs und das Aussetzen musikalischer Veranstaltungen auf unbestimmte Zeit, die viele Musik- und Kulturschaffende und auch zugehörige Berufsgruppen in große Nöten bringt. Wie nimmst du die aktuelle Krisensituation selbst als Künstler war? 

Thomas: Für meine Kollegen und mich, die von der Musik leben, ist die aktuelle Situation natürlich der Super GAU. Alle Clubtermine, aber auch schon sehr viele Festivalauftritte, wurden verschoben oder ganz und gar abgesagt. Klar sind nicht nur wir Künstler bedroht, sondern auch ganz viele Clubs, Festivals und andere Kulturstätten stehen vor dem aus. Es gibt mittlerweile Soli Tickets, Start Next Aktionen und weitere tolle Arten die Szene zu unterstützen und ich hoffe stark darauf, dass nicht alle Ticketbesitzer für die Festivalsaison ihre Tickets zurückgeben, denn das würde das Clubsterben extrem beschleunigen. Der „positive“ Aspekt ist, dass sich viele Kulturschaffende neue Ideen einfallen lassen oder bereits bestehenden Infrastruktur nutzen, um die Musik an ihre Fanbase zu bekommen.  
Gefühlt bekomme ich pro Tag 20 Benachrichtigungen, dass gerade ein Livestream gestartet wurde. 😉 Aber es gibt auch Kollegen, die die Zeit anders nutzen und sich komplett im Studio einschließen, um an neuen Produktionen zu basteln. Ich nutze die freie Zeit sowohl im Studio, um neue Musik zu machen oder eben Podcasts, als auch um endlich etwas Sport zu treiben, denn das habe ich die letzten 10 Jahre etwas schleifen lassen. 😀

Katja: Offensichtlich teilen wir da die Liebe zum Laufen 😉 Als Musikliebhaber_in ist es schon ziemlich genial, in dieser Leerlaufphase mit so vielen guten Streams versorgt zu werden, auch wenn das Tanzen im Wohnzimmer immer schmerzlich an das erinnert, was fehlt. Aber auch das wird ein Ende haben – und an dieser Stelle nochmal der Aufruf, das Möglichste zur Unterstützung der Musikszene und Klubkultur zu tun (Spenden, Musik kaufen, Fanartikel horten 😉 

Schräg, zur Zeit kann man nicht einmal die kommenden Events in den Blick nehmen, was wir natürlich in unseren Interviews immer machen, aber vielleicht hast du ja langfristige Projekte am Start, über die du schon etwas verraten kannst.

Thomas: Wir können uns wohl darauf einstellen, dass bis Ende August keine Veranstaltungen durchgeführt werden dürfen. Ich muss zugeben, das Nachtleben fehlt mir schon sehr. Aber ich bin optimistisch, dass es weiter geht. Ein paar Events, die jetzt im Frühjahr hätten stattfinden sollen, wurden in Herbst verlegt, z.B .unser Paracou Showcase im Tanzhaus West in Frankfurt mit Marek Hemmann, Mathias Kaden, Iris Menza, Christian Burkhardt, Norman Weber und mir. Weitere Veranstaltungen für Herbst und Winter sind in der Planung.

Katja: Zum Schluss unsere Frage nach deinen Lieblingstracks – ohne welche 3 Tracks könntest du zur Zeit keine Woche Quarantäne überstehen… 

Thomas: Meine Top 3 Quarantäne Tracks:

1. Fouk – I’ll be down (Hugo LX Meteor mix)

2. The Deep – Love Your Brother

3. Enrico Mantini – What U Want (Chris Stussy & DJOKO Remix) – leider nicht auf Vinyl erschienen

Katja: Hach, was eine spannende Auswahl, lenkt mich gerade sehr ab – aber wir sind ja schon durch den kleinen Fragenkatalog – ich hoffe einfach mal drauf, dich bald mal wieder live zu hören und in echt und Farbe zu sehen. Denn trotz aller Streams – nichts geht über einen basswummernden Dancefloor mit glücklich tanzenden Menschen 😉 Liebsten Dank für den zweiten maximal MiesenMix, stay strong, safe & healthy ❤ 

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Interview: Edu.Buscholl

MieseMusik Podcast #133

Katja@MieseMusik: EEEEduard – das ist so cool, dass wir dich für einen Miesen Podcast gewinnen konnten. Ich glaube, wir haben uns zum ersten Mal in Halle auf einem wahnsinnigen schönen Sommerrave mit Rolandson & Hagen Mosebach getroffen… 

Das waren unbeschwertere Zeiten –  im Moment ist Musik zweifelsfrei eine der wichtigsten Kraftressourcen – und nie war die Musikszene gleichermaßen so bedroht. Du bist selbst nicht nur Musiker und Künstler, sondern auch ein wichtiger Teil des Kollektiv.Liebe e.V. Wie nimmst du die aktuelle Situation war – besonders in deiner Hometown Karlsruhe?

Edu: Hey Katja! Freut mich ebenso, dass es geklappt hat, zumal ich euch schon verfolge seit ich auf Soundcloud unterwegs bin. My first and last Unicorn ❤ 

Ich stimme dir voll zu! Musik ist eines der wenigen Dinge, das mir im Moment Hoffnung gibt und umso trauriger ist es, dass gerade Kunstschaffende und Clubs so stark unter den Folgen der Pandemie leiden. Auch unser Haus- und Hof Club das P8 – ebenfalls von einem Verein betrieben – wird sich nur mit Spenden durch diese Krise retten können. Wenn es dieser Club nicht schafft, bricht ein großes Stück Kultur und Freiheit weg da es in der Form keine Alternative in der Stadt gibt.

Katja: (**freut sich nochmal doppelt, dass Edu den Miesen „treu“ geblieben ist**) Verdammt bescheidene Situation, in Kassel sieht es natürlich ganz ähnlich aus – insofern kann ich nur alle, die es sich leisten können, bitten, ihre Clubs & Lieblings-Artists zu unterstützen, es laufen ja eine Reihe spannende und sinnvolle Initiativen. Und – von zu Hause lässt sich Musik bequem bestellen, ob digital oder als innig geliebtes Vinyl. Aber zurück zum Thema: Das Kollektiv.Liebe e.V. ist ja mittlerweile zu einem ebenso großen wie musikalisch topp aufgestelltem Netzwerk geworden, ich lausch gerade dem aktuellen Mix von Till Hall „Timbres of Uncertainty“ aus euem geliebten Podcast, herrlich schwermütig & trotzdem tröstend.

Kannst du uns mehr von euch und euer Philosophie erzählen? Mitte März ist ja gerade eure mega starke 2020 Compilation erschienen, u.a. mit Deisen und David Rausch.

VOLUME 4.1
VOLUME 4.2

Edu: Vielen Dank! Die Compilation liegt mir auch sehr am Herzen, da viele meiner Lieblingskünstler sich dafür begeistern ließen. Es macht uns ziemlich stolz, dass wir unsere Vorstellung von guter Musik über so ein Medium wie den Verein in die Welt streuen können und damit auch noch soziale Projekte unterstützen dürfen. Der Verein hat verschiedenste Bereiche und fördert neben Kunst und Kultur auch den Umweltschutz und humanitäre Projekte, z.B. im Senegal. 

Das Label folgt diesen Grundsätzen und ist als Non-Profit Label aufgestellt. Unsere „Love and Nature Adventure“ Compilations werden jährlich an verschiedene Tier- und Naturschutzprojekte gespendet. Bei EP´s darf der Künstler uns selbst ein Projekt vorschlagen, welches unterstütz werden soll. Freetracks sind ebenfalls auf Spendenbasis und kommen unserem Senegal-Projekt zugute, wo wir Open-Source Workshops halten und arme Familien monatlich mit Grundnahrungsmitteln versorgen.
Das klingt vielleicht erst einmal bunt durcheinander gewürfelt, aber genau so ist auch unsere Vereinsstruktur. Über 30 Menschen sorgen für Vielfalt und deren Interessen gilt es zu vertreten. Unsere Gemeinsamen Werte sind Ehrlichkeit, Respekt und Liebe natürlich 😉

Katja: Geniale Idee und bei so viel ehrenamtlichem Engagement und Herzblut sehe ich für die Zukunft der Musikkultur zwar nicht rosige Zeiten, aber wegen mit so engagierten Menschen mit viel Energie und Sinn für das Wesentliche wird es schon irgendwie weitergehen – Respekt! 
Du selbst bist ja auch ein ziemlich umtriebiger und musikalisch weitreisender Soundexperte – wie bist eigentlich selbst zum Auflegen gekommen? Und welche Musik treibt dich selbst an und um? 

Edu: Ich glaube meine Erleuchtung kam 2006 auf der Timewarp, wo ich 8 Stunden hinter der Bar zu Sven Väths treibendem Techno arbeiten durfte. Die nächsten Jahre beschäftigte ich mich immer mehr mit Techno und irgendwann auf einer Geburtstagsparty waren es zwei geöffnete Youtube-Fenster mit den ich anfing zu Mixen 😀 das Prinzip war schnell klar. Über melodischen Techno und Progressive House + Deep House lernte ich 2015 auch durch oben besagt Captain Rolandson den Downtempo lieben. Da stehe ich auch heute noch und liebe nach wie vor Techno in allen seinen Facetten.

Katja: Grinst – jaaaa – der Sven hatte es mir auch angetan… uff, ist bisschen länger her, Kasseler Aufschwung Ost 1994 – was einmal mehr zeigt: die Klubs & Szene wandelt sich, aber the rave never stops! Und dicke Props an den Captain an dieser Stelle – Dass du musikalisch breit aufgestellt bist, hört man dir ja schon immer an, auch dein Mieser Podcast spiegelt das optimal, sanft, melancholisch, aber auch trancig treibend und böse wegdriftend – Kompliment – mega gut! 

 Aight, damit kommen wir aber schon zu unserer Standardfrage nach den drei „Tracks“ für die einsame Insel, ich würde sie mal variieren… welche 3 Tracks gehören zu deinen liebsten „Stimmungsaufhellern“? Na gut, ein „mies melancholischer“ darf natürlich auch dazu.

Edu: Bohr das ist schwierig… aber drei Tracks haben es mir so sehr angetan, dass ich nicht mehr loskomme. Die habe ich auch immer im Plattenkoffer dabei.

Letzterer ist durchaus melancholisch und das Video hat mich sehr bewegt.

Katja: Sehr naise Auswahl, hach, immer wieder gut, die Frage. Schon schräg, normalerweise würde ich jetzt mit dir auf die kommenden Events und Projekte schauen, aber zur Zeit ist ja nicht viel normal. Aber vielleicht hast du bzw. habt ihr ja schon neue Releases am Start?

Edu: Ja – unsere nächsten zwei Kollektiv Liebe-Partys stehen auf der Kippe und das ist umso trauriger, da das besagte P8 Ende des Jahres schließen muss.

Releases haben wir dafür aber umso mehr in der Warteschleife! Diesen Monat kommt eine EP von Sebastian Dali & Three Good Boys, die mit richtigen Instrumenten eine epochale Stimmung erzeugen. Remixe gibt’s von David Rausch und Dan Bay. Im Mai/Juni releasen wir dann unsere erste LP, die zugleich das Debut des noch unbekannten TRANSIENT LINES ist. Er erzeugte eine unglaubliche Atmosphäre, die sich zwischen Ambient, Dub und Downtempo verorten lässt. Sehr individueller und zugleich variabler Sound verspreche ich euch. Auch hier gibt´s noch Remixe von Oberst & Buchner, Deep Ändi und Musin.

Katja: *Dicke Träne wegdrück* – schade, dass live erstmal nix geht, aber das wird! Und starke Releases kommen da, wir sind gespannt. Aight – dann dicken Drücker nach Karlsruhe, liebstes Danke für dein Set und STAY STRONG AND SAFE!

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Interview: Glenn Shaw

MieseMusik Podcast #132 – Glenn Shaw

Katja@MM: Heute freuen wir uns mega, Glenn Shaw im Programm zu haben! Lieben Dank, dass du dir Zeit für einen MieseMusik-Mix genommen hast und auch für unser Interview bereit bist. Ich fang mal mit einer miesen Frage an: Wenn du dich selbst in 3 Adjektiven beschreiben solltest – welche wären das?

GS: gelassen; oft in etwas vernarrt; vielseitig

Katja: Gelassen, das hätte ich jetzt nicht gedacht, aber dein musikalischer Ansatz ist schon irgendwie gelassen groovig. Ich erinnere mich gerade an deinen super fluffig, aber dennoch mega deepen Track für unsere Freunde von Afterhour Sounds: „Profound“.

Ok, ich würde mal sagen, vernarrt sind wir beide auf jeden Fall dauerhaft in Musik, vielleicht eher eine endlos Liebesgeschichte, sorry, ich schweife ab.(Ich pin auf jeden Fall mal ein sehr entspanntes Foto von dir right on top, das ich bei Facebook gefunden habe 😉 Wenn man unsere Podcaster so fragt, haben alle sehr unterschiedliche Werdegänge in Sachen Auflegen und elektronische Musik – wie sieht das bei dir aus?

GS: Mit der Musik die ich grade gefunden und gefeiert habe, bin ich meinem Umfeld schon immer auf die Nerven gegangen und mit 24 ist dann endlich der Groschen gefallen es vielleicht mal mit Auflegen zu versuchen. Ich habe dann in Gießen zu meinem Glück relativ schnell zu dem Kollektiv Bunkermusik gefunden, das mir in der Stadt viele Möglichkeiten geboten hat. Clubveranstaltungen und illegale Raves an den nicesten Off-Locations haben mir gezeigt, was die Undergroundszene so alles drauf hat. Jetzt bin ich mittlerweile in Leipzig, aber meine Verbundenheit mit Gießen und Bunkermusik ist immer noch stark vorhanden.

Katja: Ach, schau aus Gießen, biste ja auch ein Hessen Buddy ursprünglich – und nochmal woooow, ja, Bunkermusik, korrektes Kollektiv. Und dann Wegzug aus Leipzig – wir hatten jetzt einige saugute Beiträge aus Leipzig, ich war im Dezember zum Tanzen da und wusste sofort, ich muss öfters nach Lepizig, so viele coole Locations. Kannst du uns mehr über deine neue Homebase erzählen? Gehst du selbst gerne tanzen, und wenn ja, wo?

GS: Ich bin jetzt mittlerweile noch nicht ganz ein Jahr in Leipzig und grade dabei hier Fuß zu fassen, aber es gefällt mir schon richtig gut. Es passiert richtig viel und wenn einem der ganze Trubel hier nicht reicht, ist man super schnell in Berlin. Aktuelle Lieblingslocation zum Tanzen ist ganz klar ein Projekt von Freunden über das ich aber leider nicht viel preisgeben kann. Gefährlich gut 🙂

Katja: Verdammt (das werde ich wohl noch mal privat abklären müssen 😉 Du arbeitest ja auch in Kollektiven wie Bunkermusik. Welche Projekte laufen gerade?

GS: Bunkermusik ist meine Base in Gießen, da passiert natürlich gerade viel ohne mich. Zu bestimmten größeren Dingen bin ich da aber natürlich am Start. Mit meinem Kollektiv Tausend Plateaus in Leipzig plane ich gerade eine Party in dem Club mjutdie am 27.03. stattfinden wird. Da fließt natürlich aktuell viel Zeit in die Vorbereitung und die Vorfreude wächst mit jedem Tag!

Katja: Sounds ziemlich gut und verlockend, den Club nehmen wir sofort auf die Reiseliste. Oki – dann gehen wir mal zur miesesten aller Fragen: Wenn du eine Woche auf einer einsamen Insel wärst und dein Marschgepäck sich auf 3 Lieblingsscheiben beschränken würde, welche kämen denn in Frage?

In keiner bestimmten Reihenfolge:
Black Bird von Fat Freddys Drop 
Arutani @ 42 Katzen tanzen auf’m Tisch | Katerblau
True Indeed von Surreal And The Soundproviders

Katja: Mh, der Blackbird schwirrt mir jetzt sicherlich erstmal eine Woche durch die Seele, tuffer Song und überhaupt ne starke Wahl. Lieeeebe den Soundproviders Track, genial, muss ich mir sofort die ganze Scheibe besorgen! Respekt.

Joo, jetzt bleibt mir nur noch ein dickes Danke fürs Mitmischen und ihr da draußen – erwischt Glenn Shaw LIVE UND ECHT UND IN FARBE auf der Malaphor am 27.03. im mjut in Leipzig!

So, dann mal für den Podcast und überhaupt, connecten, connecten:
Glenn Shaw auf Soundcloud
Glenn Shaw auf Facebook
Glenn auf Insta

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Interview: Tino Neuwirth

MieseMusik Podcast #131

Katja@MieseMusik (K): Unser Podcast Nr. 131 kommt von Tino Neuwirth, der vielen von euch als Co-Founder von Panorama Deep e.V. bekannt sein dürfte. Servus Tino, wir freuen uns mega, dass du bereit warst, in unserer Reihe mitzumischen. Wir konnten natürlich schon reinhören und sind und lieben deinen housig-groovigen Ansatz mit all den genialen Schönheiten, die du im Set platziert hast. Bombe! Aber auf Anfang: Vielleicht kannst du unseren Followern zunächst erstmal mehr über dich und das Panorama Deep-Projekt verraten, das im Online-Magazin Takt  als „Leuchtturm für die elektronische Musikkultur in Südthüringen“ bezeichnet wurde.

Tino Neuwirth (TN): Hallo Katja. Erstmal Danke, dass es geklappt hat. 

Wir haben Panorama Deep e.V. 2015 mit unserer Crew gegründet. Die erste Party als Verein lief 2016 in den Saalgärten Rudolstadt. Im Laufe der Zeit fanden wir eine tolle Location in Saalfeld und bauten diese nach unseren Bedürfnissen um. Wir tauften die Location Panorama Box. Es steht sogar ein Helikopter auf dem Dach. Ein echter Hingucker! Aber schaut selbst: Panorama Box Teaser.

Panorama Deep auf Instagram

Die Eröffnungsparty war im März 2017 mit Norman Weber und wir können uns sehr glücklich schätzen, den Laden so zu führen, wie wir möchten und so einen guten Partner an unserer Seite zu haben. Wir sind auch sehr stolz auf unsere Anlage, die unten rum ordentlich schiebt und richtig Spaß macht. Beim Booking stehen wir ganz klar auf eine gute Mischung zwischen House und Techno. Der Sound, welcher uns prägte und immer noch beeinflusst. Acts wie Norman Weber, Cinthie, Emanuel Satie, Mathias Kaden, YouandMe, Dapayk, David Jach, Daniel Stefanik und Schlepp Geist waren bisher zu Gast. Den Support spielen meist unsere Residents wie Thomas Stieler, Danilo Kupfernagel, Ken Tamburri und Neuwirth & Lehmann (-> auf der Soundcloud hören).

Seit 2016 starten wir immer am Sonntag des ersten August Wochenendes ein Benefiz Openair auf dem Schloß Heidecksburg in Rudolstadt. Diese Location hat uns seit dem ersten Moment gefesselt und dieser Ausblick über die ganze Stadt geht uns allen richtig gut rein.  Den kompletten Erlös spenden wir an hilfebedürftige Organisationen und Projekte im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. 

Panorama Deep auf Instagram

Im Sommer 2019 starteten wir auch eine eigene Panorama Deep Podcast Reihe mit Künstlern, die bei uns gespielt haben, spielen werden und die wir einfach gut finden.

Uns ist es wichtig, den musikalischen Spirit weiter in der Region zu halten und auch die „neue“ Generation an den Sound heranzuführen. So sind wir für neue Mitglieder mit Interesse an der Musik offen und natürlich happy über neue kreative Köpfe. 

K: Ja, mir ist via Social Media schon aufgefallen, dass ihr ein saugutes Programm fahrt, auch eure Residents sind eine Housenummer für sich! Welche Events eurer Panorama Deep Reihe sollten wir uns denn schon mal im Kalender eintragen? Und welche Pläne habt ihr ansonsten für das neue Jahr?

Tino Neuwirth (TN): Zur kommenden Veranstaltung am 25.01 haben wir Marcus Meinhardt zu Gast und den Support werden Danilo Kupfernagel, Ken Tamburri und ich spielen.

Ganz klar wird wieder ein Highlight das Benefiz Openair im August werden, aber auch auf die weiteren Bookings in der Panorama Box freuen wir uns sehr. Unser Plan für 2020 ist weiterhin stabil zu bleiben und als Crew zu wachsen.

K:  Deine Resident Advisor Page verrät, dass du dich ins schwarze Gold verliebt hast, was ich sehr sympathisch fand. Aber lassen wir die Vinyl – Nicht-Vinyl-Debatte lieber zur Seite, uns interessiert mehr, wie du zur elektronischen Musik gekommen bist, welche Musik bei dir zu Hause läuft und ob es in Sachen Sound bestimmte Vorbilder für dich gibt. 

TN: Ich fand elektronische Musik schon immer sehr anziehend und 2008 hat mir ein Freund aus der Schweiz zwei Technics 1210er MK2 vermacht. Grüße gehen raus an Dominik. 

So begann meine musikalische Reise und ich lernte das Auflegen mit einem alten Reloop 2 Kanal Mixer und zwei Turntables. Ganz klassisch. Immer noch spiele ich sehr gerne Vinyl und kaufe regelmäßig ein, zu Lasten meines Kontostandes. Hahaha. 

Ganz klar prägende Vorbilder waren die Thüringer Größen im House und Techno. Generell kann ich mich nicht auf bestimmte Künstler festlegen, denn es gibt so viele tolle Musiker, die echt gute Musik veröffentlichen, die ich als Input verwende. 

Zu Hause läuft sehr viel entspannte Musik wie Jon and Roy, Chet Faker, Ben Howard, Sons of East, aber auch sehr gerne 90’s Rap und Classic House.

K (staunend): WOW – so einen Freund hätte ich auch gerne gehabt 😉
Und coolio – 90’s Rap & Classic House laufen bei mir zu Hause auch häufiger, horte noch ein paar alte coole Scheiben. Aber zurück zu deinen musikalischen Vorlieben: Wenn du eine Woche auf einer einsamen Insel wärst und dein Marschgepäck sich auf 3 Lieblingsscheiben beschränken würde, welche kämen denn in Frage?

TN: Das Gute ist, ich war schon einige Wochen auf kleinen Inseln unterwegs und genau dieser Stuff lief bei mir. Die erste Perle lief jeden morgen nach dem Aufstehen. Ein herrlicher Song, mit dem ich viele schöne Momente verbinde. 

1. Roy Ayers Ubiquity – Everybody Loves the Sunshine

2. Nick Mulvey – Mountain to move

3. George Michael – Freedom! `90 – Remastered

K: Feine Auswahl (George Michael’s Freedom im Kopf summend): Dann erstmal super lieben Dank fürs Mitmischen von uns Miesen allen, der Sound ist soooo hammergut, hab gleich mal das August Openair ins Auge gefasst & auf jeden Fall auch einen Besuch in der Panorama Box im Frühjahr :))

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Interview: Rawley

Listen right here: https://soundcloud.com/miesemusik/rawley

Katja: Ola Kevin Kaiser aka Rawley – mit dir haben wir gleich den zweiten Künstler aus Leipzig in unserer miesen Reihe, was verbindest du mit der Music Community in deiner Hometown? Und wo sollten wir unbedingt feiern gehen, wenn man von der Institution Distillery mal absieht?

Rawley: Only Detroitnitz aka Leipzig-Reudnitz haha. Mein Labelrun & Reudnitz verbindet mich mit der Stadt, ansonsten gibt’s da musikalischer Sicht nicht viel mehr, was es auch nicht muss. Detroitnitz – Detroit House – House Music everywhere, ich hab meine chargé auf jeden fall gefunden. Im punkto Schwofen haste  in der Stadt auf jeden Fall noch Einiges an Auswahl, ob Sticker kleben in Beate Uhse Klamotten, in Gummistiefel durch schlammige Park’s stromern, klassisches „Panic in the Stroblights“ im Keller schieben oder mitten im Jahr Glitzern wie Lametta, bei uns kannste alles hahah. Namentlich möchte ich mich da nicht offen legen, dicke Names & proper Line Up’s blenden oftmals – deswegen seid es euch einfach selbst wert & kommt rum zum Schwof!

Katja: Aight, das mit den Gummistiefeln klingt verlockend – und zum Schwofen werden wir auf jeden Fall baldigst vorbei schauen! Wenn du zurückblickst, was hat dich eigentlich zur elektronischen Musik gebracht? Hast du sowas wie musikalische Vorbilder? Was schallt zu Hause in deinen Boxen an Musik?

Rawley: „Haste Tape auf Tasche“ mit der Frage fing alles an, zwei Wochen später hatte ich dann wirklich ne Kasette mit House Music am start. Nicht viel später begeisterten mich dann ein paar Riemen angetriebene Plattenspieler, yo und dann ging die Reise auch schon los. Aus gerade schallen The Communard’s mit „You are my world“ aus meinen Boxen, später könnte heute noch was Klassisches erschallen & morgen sind es wieder fiese Tech House Kicks im Studio. Mein Musik-Repertoire ist sehr groß. Vorbilder habe ich nicht direkt, aber Falco & Johnny Cash, das waren schon ganz coole Typen neech 😉 

Katja: Du kommst ja ganz gut rum – Rückblick auf 2019: Gibt’s ein Lieblingsevent oder -moment? Und mit welchen Plänen startest du ins neue Jahr?

Rawley: Da kann ich mich nicht wirklich festlegen, war viel schönes dabei & wird sicher auch noch kommen – just do it & nobody is motivierter. 

Katja: Ja, sympathische Einstellung, wir behalten unsere Podcaster ohnehin immer gut im Auge. Yo, dann noch unsere Lieblingsfrage: Wenn du eine Woche auf einer einsamen Insel wärst und dein Marschgepäck sich auf 3 Lieblingsscheiben beschränken würde, welche kämen denn in Frage?

Rawley:

  1.  Blue Boy – Remember Me
  2.  Oppenheimer Analysis – The Devil’s Dancer
  3.  Cuthead – Hold on 

Zu den restlichen Scheiben, die ich heimlich rüber schmuggeln würde, möchte ich mich nicht äußern *lach

Katja: Satte Auswahl, deine Mukke ist ja für alle Devil’s Dancer bestens geeignet, freuen uns echt mega, das du Zeit hattest für einen miesen Beitrag. Nochmals besten Dank vom miesen Kollektiv!

Rawley: Ganz meinerseits – Grüße gehen noch raus an Mutti & Schwester, xx euer Ralle hehe

Schaut auch hier vorbei:

ra: www.residentadvisor.net/dj/rawley

soundcloud: https://soundcloud.com/rwlyofcl

facebook: www.facebook.com/rwlyofcl/

Instagram: www.instagram.com/rawleyofficial/


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Interview: Tantze Knut

https://soundcloud.com/miesemusik/tantzeknut

Katja@MM: Haisen Knut, megacool, dass du ein ganzes Set mit eigenen Kompositionen einspielst, das ist ein absolutes Novum. Kannst du was über die Tracks sagen?

TK: Moin moin! Ja, richtig, die Stücke sind Eigenkompositionen…. ich sehe das Ganze als eine Neuauflage von meinen alten Klassikern, da ich die Tracks zum Großteil neu gemischt habe und kleinere Dinge hinzugefügt habe, damit sie mehr treiben. Sicherlich noch nicht klanglich perfekt, aber was ist schon perfekt? 🙂 Die Tracks selbst sind von 2012 bis 2015 entstanden.

Katja@MM: Wirklich cool und eine megafeine Mischung btw!! Aber zurück auf Anfang. Vielleicht kannst du ein bisschen was über den Reallife Knut erzählen und wie er zur Musik gekommen ist. 

TK: Mit bürgerlichem Namen heiße ich Knut Kintscher. Ich habe mit 9 Jahren das Schlagzeug spielen angefangen und spiele seit meinem 13. Lebensjahr in der hannoverschen Instrumental Rockband Hermelin.

Erst später bin ich dann zur elektronischen Musik gekommen und habe begonnen, zu produzieren. Nach und nach hat sich dann meine Zuhörerschaft erweitert und es kamen immer wieder neue Veröffentlichungen hinzu. 

Katja@MM:  Wow – ich finde es immer wieder faszinierend, auf welch unterschiedlichen Wegen unsere Künstlerinnen und Künstler ihre musikalischen Wurzeln gefunden und erweitert haben. Und mir supersympathisch ist auch, dass du quasi ein Crossovermusiker bist, der sich nicht auf ein Genre bzw. eine feste Richtung eingeschossen hat. (Katja lacht, weil bei ihr im Hintergrund gerade Agnostic Front läuft 😉

Du lebst jetzt in Hamburg richtig? Was geht aktuell, an was arbeitest du?

TK:  Agnostic Front, yeah 🙂 Ach Hamburg ist eine tolle Stadt, die mich immer wieder aufs Neue inspiriert.

Ich arbeite momentan aber auch über Hamburg hinaus relativ viel international und habe musikalische Kontakte nach Finnland und nach Australien. Momentan geht’s da hauptsächlich um Veröffentlichungen von Remixen, aber in Zukunft sind auch Pläne für ein neues internationales elektronisches Netzwerk im Kopf, ach und eventuelle Live Gigs mit den Peoples…

Im Grunde habe ich ständig Lust mit anderen Musikern Projekte zu beginnen. Liegt wohl an meiner musikalischen Vergangenheit und diversen Bands (mit vielen Auftritten) über einen Zeitraum von 20 Jahren. Hin und wieder finde ich es dann aber auch schön, wirklich mal mein eigenes Zeug zu machen. Wie man unschwer bei meinem Miese Musik Set hören kann. Irgendwie kann ich mich stilistisch nie festlegen in meinen Produktionen. Vielleicht mag ich einfach zu viele Richtungen. Das bringt bock und Produktionen bleiben lebendig, denke ich. Hauptsache es kommt vom Herzen!

Ich arbeite außerdem gerade viel daran, das ganze livetauglich zu gestalten. Sprich mit Ableton Live und ein Paar Controllern und Grooveboxen und halt noch Schnickschnack, der dazu gehört. Live gespielte elektronische Musik versprüht immer ein ganz besonderes Gefühl finde ich. Geht euch wohl ähnlich, oder?

Das ist immer alles nicht so einfach neben einem Vollzeitjob und einer Beziehung. Aber es klappt und alle sind glücklich damit! 

Katja@MM: Macht neugierig, was du da planst und ich geb dir absolut recht, live eingespielt ist jede Musik nochmal eine ganz andere Hausnummer. Zum Schluss noch unsere immer wieder gestellte Frage: Einsame Insel – du – nur 3 Tracks, die du mitnehmen kannst – was schnapst du dir?

TK: Puh… kann ich auch 30 Tracks sagen? *lach* 

Na gut ich sage mal:

Smashing Pumpkins – The Aeroplane Flies High

Ole Biege – Tasted Wime

Kat Frankie – People

Frag mich ansonsten nächste Woche nochmal *lach*

Katja@MieseMusik (muss auch lachen): Ja, die Frage ist eigentlich unbeantwortbar, aber immer wieder spannend – der Track von Smashing Pumpkins ist genial! Eins noch auf die Schnelle: Kannst du uns noch einen Traveltipp geben für die nächste Reise nach Hamburg, ein schöner Houseschuppen oder ne gute Kneipe?

TK: Haha… also hier hat gerade meine Lieblings-Techno/House Kneipe geschlossen letztes Jahr, das Purgatory. Da hatte ich eine ersten elektronischen Auftritte mit nem guten Kumpel.
Das große Kneipensterben in Hamburg. Ein trauriges Thema… 
ansonsten ist die Prinzenbar immer wieder super… tolle Location! Schiffe gucken kann ich in Hamburg auch sehr empfehlen. Bei schönem Wetter auf irgendeine Bank setzen mit Freunden und auf die Elbe glotzen. Das geht eigentlich immer.
Traurige Sache, aber seitdem lebe ich gesünder und mache mehr Musik :DD

Katja@MM: Dann erstmal besten Dank fürs Mitmachen und wir hoffen, dich bald mal live und in Farbe zu treffen. 

TK: Ich habe euch zu Danken für den Support und die Szene kann sich glücklich schätzen, Menschen wie euch zu haben!!! Peace..

Falls ihr mehr wissen wollt, checkt das hier: 

https://www.facebook.com/tantzeknut/

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Tantze Knut

Haha… also hier hat gerade meine lieblings Techno/House Kneipe geschlossen letztes Jahr, das Purgatory. Da hatte ich eine ersten elektronischen Auftritte mit nem guten Kumpel.
Das große Kneipensterben in Hamburg. Ein trauriges Thema… 
ansonsten ist die Prinzenbar immer wieder super… tolle Location! Schiffe gucken kann ich in Hamburg auch sehr empfehlen. Bei schönem Wetter auf irgendeine Bank setzen mit Freunden und auf die Elbe glotzen. Das geht eigentlich immer.
Traurige Sache, aber seitdem lebe ich gesünder und mache mehr Musik :DD

Ich war gerade (passt natürlich super zur Inselmusik) letzten Sommer in der Zitadelle bei Smashing Pumpkins… geiles Wetter, unglaublicher Sound und sie haben nur Hits über zwei Stunden gespielt. Unfassbar!

Hervorgehoben

Interview: Pen Perry

MieseMusik Podcast #128
https://soundcloud.com/miesemusik/penperry

Katja@MM: Coole Sache, dass du für uns einen miesen Podcast einspielst, Perry! Wenn mich nicht alles täuscht, ist damit zum ersten Mal ein Beitrag aus Leipzig dabei 😉 Gibt es sowas wie einen „Leipzig Sound“ – und was verbindet dich mit der Music Community in Leipzig?

P: Hallo ihr „Miesen“, sehr gerne. Dabei ist Leipzig, was Techno betrifft, nebst der unzähligen Subgenres, alles andere als ein unbeschriebenes Blatt! 

Hier sei auch die „Distillery“, der älteste Technoclub im Osten erwähnt, in dessen Keller man mindestens einmal getanzt und wenn’s als DJ klappt, auch mal gespielt haben muss, wenn man auch härteren Techno mag. Auch die Anlage ist super, besonders der Bass den man auch oft im Brustkorb und gelegentlich in der Magengegend spürt und mein persönliches Highlight als DJ sind die Monitorboxen: WTF!!! Was für ein satter Sound einem da ins Gesicht geklatscht wird! 

Verhältnismäßig zu anderen deutschen Großstadtclubs, die ich bespielt oder betanzt habe, empfinde ich den technoiden Sound in Leipzig überwiegend straight „geradeaus“, trocken und düster. Da geht es auf jeden Fall vorwärts. Nicht selten ohne viel „Schnick Schnack“, mit kurzen Drops und wenn es doch mal melodisch wird, dann am ehesten in Richtung Melancholie. 

Dann gibt es in Leipzig noch die vielen Crews unterschiedlicher Generationen, die mit viel Elan Open Airs organisieren und zum Teil auch in der Clublandschaft integriert sind. Da gibt es unzählige Facetten und bei den meisten Crews hört und sieht man die Leidenschaft die Inne wohnt. 

Die Housemusik ist überwiegend schwer und dreckig, gelegentlich auch „hier und da“ mal verspielt, aber auch andere elektronische Genres, funky und trashiger Sound oder klassisch (aber doch irgendwie Indy) klingende Discomukke, kann man hier tanzen, in einigen der unzähligen Bars und Kneipen, welche mancherorts auch einen Tanzraum haben. An dieser Stelle möchte ich auch gern das „Casa Pepe“ erwähnen, eine gemütliche Szenelocation, vorne Kneipe, dazwischen Lounge und Hinten Dancefloor, dass war vor kurzem noch eine Fahrradwerkstatt mit Barbetrieb und ist nach wie vor sehr zu empfehlen.  Der Dancefloor ist zwar zeimlich klein, hier tanzt am besten wer zuerst kommt und dann kann man sich seinen tanz-m² auch ganz gut behaupten. Das Feeling dort ist auf jeden Fall mehr als einen Besuch Wert und es treten viele ansässige Künstler auf, hier ist musikalische Subkultur.

In erster Linie verbindet mich mit der „Leipziger Musik Community“, dass ich selbst ganz gern tanzen gehe, am liebsten im oben erwähnten Club. 🙂  Ansonsten kennt man sich, hilft sich aus und spricht sich ab, wenn man einmal ein bisschen integriert ist – ich lebe seit 12 Jahren hier. Hier gibt es auch ein gut funktionierendes Club-Kollektiv, weil auch hier die Gentrifizierung ein Thema ist, es konnte schon erste Erfolge im Dialog mit der Stadt verbuchen.

Übrigens spiele ich nicht unbedingt das, was hier am ehesten läuft, ich bevorzuge Progressive House und Tech House und wenn ich mal Techno spiele, dann ganz gern auch ein bisschen melodisch und dennoch derb. Weil ich sehr viele Facetten in der Musik liebe, mache ich  auch gern einen Abstecher in Richtung „dreckige und schwere House Musik“ und spiele auch gern mal im Keller „düsteren und straighten Techno“ was beides, wie auch mein eigener Sound gern angenommen wird. Ich bemühe mich möglichst empathisch aufzulegen und ich denke, das macht letztendlich auch die tolle Stimmung auf dem Dancefloor aus.

Katja@MM: Kann ich absolut nachvollziehen – die Distillery ist eine Legende – denke, ist für die Leipziger Community so ein Heiligtum wie für uns aus Kassel das Stammheim bzw. früher auch Aufschwung Ost. Um so mehr freu ich mich auf die Xmas Party & meine ersten Besuch in den ehrwürdigen Hallen! Wobei „schwere und dreckige“ Housemusik auch wahnsinnig verlockend klingt, vielleicht sollte ich öfters bei euch vorbeischauen 😉

Zurück zu dir – deinen Sound fanden wir mega gut und spannend und die Hörer*innen können sich jetzt selbst überzeugen. Im Netz hab ich gelesen, dass du mit 12 Jahren Gitarre gelernt hast. Wie bist du von (vermutlich analoger) Musik zu elektronischen Musik gekommen?

P: Ja, ich habe mir als Kind, immer wenn es, des schenkens und beschenkt werdens, in unserer Kultur, würdige Anlässe wie Weihnachten oder Geburtstage gab, ausschließlich Musikinstrumente gewünscht, die ich glücklicherweise schnell begriff und mir das spielen selbst aneignen konnte, jedenfalls die Basics. 

Irgendwann wollte ich gern ganze Stücke komponieren und arrangieren, mit verschiedenen Instrumenten und so kam ich zu ’ner Art digitalen Sequenzer mit digitalen Synthesizern, Drumcomputern, Effekten und was man so alles brauch, womit ich meine Instrumente sogar virtuell selbst erzeugen und verschiedene Spuren aufnehmen und zusammenmischen konnte. Als digitales Tonstudio nutze ich „Propellerheads Reason“ , das ist für mich ein guter Allrounder indem ich alle erwähnten Elemente kompakt und digital auf dem Computer habe, seit kurzem endlich auch fähig, VST Plugins einzubinden, da hing Reason eine Weile hinterher, darauf habe ich sehnlichst gewartet. ❤

Parallel zum Producing, tanzte ich in einer Breakdance Crew und als wir irgendwann auch öffentliche Auftritte hatten, brauchten wir auch Musik, die wir mit unserer Performance abstimmen konnten und da unser Jugendclub, indem wir auch einen Trainingsraum hatten, auch Turntables und einen Mixer beherbergte, übte ich an diesen, bis wir unsere erste Mix CD für unsere Shows hatten. Der erste Track selbiger war übrigens „Grandmaster Flash – The Message“, den ich heute noch ganz gerne spiele, so kam ich zu Deejaying.

Katja@MM: Wie geil – Breakdance Gruppe klingt klasse! Und witzig, meine musikalischen Wurzeln liegen auch eher im Rap (Public Enemy, Run DMC, Jungle Brothers, DelaSoul usw.) Und cool, „The Message“ hab ich noch in keinem Set gehört, wär mal nachts ein Knüller. Oki – du bist und warst immer fleißig mit Musikproduktionen – hast du einen persönlichen Liebling? Und arbeitest du (gerne) mit anderen Musiker*innen bzw. Künstler*innen zusammen?

P: Cool, Run DMC feierte ich auch. Mein Absoluter Favorit ist schon immer Stephan Bodzin, er spricht mir mit seiner Musik förmlich aus der Seele. Das kommt ganz darauf an, da muss die Chemie stimmen und man muss den gemeinsamen Flow finden, Vorzugsweise produziere ich aber allein, weil ich Teile meines Inneren mit meiner Musik ausdrücke. Wenn’s um Jammen geht, bin ich aber gern dabei. In meiner Jugend habe ich in einer Band gespielt, daran erinnere ich mich gern zurück. 🙂

Katja@MM: Stell dir vor du hättest einen Wunsch frei – mit wem würdest du gerne mal ein b2b rocken?

P: Die Frage kann ich im Vorfeld nicht beantworten. Erst wenn man gemeinsam spielt, merkt man ja eigentlich erst, ob das Set harmoniert, dass – wie es sich anfühlt – … Musik ist für mich ein Gefühl, die kann ich nicht planen. Aber wenn die Chemie passt, bin ich für B2B’s gerne offen.

Katja@MM: Noch so eine fiktive Frage, aber immer wieder spannend, die Antwort zu hören: Wenn du eine Woche auf einer einsamen Insel wärst und dein Marschgepäck sich auf 3 Lieblingsscheiben beschränken würde, welche kämen denn in Frage?

P: 

Liszt – La Campanella

U-Tern & AJK – Side Ways

Desmond Dekker & The Aces – Israelites

Katja@MM: Ui, deine ausgewählten Tracks laufen gerade im Hintergrund – das ist mal eine verblüffende Sammlung 🙂 An dieser Stelle noch ein kleiner Blick in die Zukunft: An was arbeitest du zur Zeit? Wo kann mich demnächst live erleben?

In naher Zukunft werde ich bis nächsten Sommer erstmal nur noch am 25.12.19 im „Absturz Leipzig“ (Das war mal ein Computerreparaturgeschäft^^) zu hören sein und ansonsten auf ein paar kleinen Partys Jenseits der Öffentlichkeit („Ask your local network“ sagt man hier so schön), weil ich mich die letzten Jahre intensiv aufs Deejaying fokussiert und nichts mehr produziert habe und mich nun wieder aufs Producing fokussieren möchte. Eventuelle Bookings schliesse ich nicht völlig aus.

Anstehen erstmal 2 Progressive House EP’s, eine Techno und eine Tech House EP, 2 Remixe und bestimmt auch ein paar Singles.

Katja@MM: Yeah, da geht aber massiv was – wir sind gespannt! Und nochmal dickes Danke fürs Mitmischen!

Ich danke ebenfalls und vielleicht sehen wir uns ja noch auf der „XMas Party“ in den „heiligen Hallen“ der Tille 😉 

Ich  möchte gerne noch ein paar Links zur leipziger Clubkultur erwähnen:

https://www.facebook.com/raveatnight

https://www.kraftfuttermischwerk.de

https://drugscouts.de

Und ihr da draußen – schaut vorbei:

https://www.youtube.com/penperry

https://www.facebook.com/penperry

Interview: Seeleâ

MM Podcast #127 – https://soundcloud.com/miesemusik/seelea

MM: Hello Heiko – Besuch aus Berlin haben wir immer gerne – wobei du ja mächtig unterwegs bist, wenn man deine Gigs so anschaut… bist du denn ein waschechter Berliner?

S: Nein ich bin kein waschechter Berliner, wohne jetzt seit etwa 7 Jahren hier. Ich komme ursprünglich aus einem Dorf nähe Dresden, wo ich aufgewachsen bin. Später bin ich nach Meißen gezogen. In Meißen habe ich meine Ausbildung in der Gastronomie fertig gemacht. Das war ein harter Job. Mir war nach meiner Ausbildung klar, dass ich nicht mehr in der Gastronomie bleiben möchte und dann ging die wilde Reise los, bis ich in Berlin angekommen bin. In Berlin habe ich dann ein Soziales Studium angefangen, das ich demnächst abschließe. Über diese Entwicklung bin ich sehr glücklich!

Berlin hat mich persönlich und musikalisch weiter entwickelt.

Jetzt wohne ich seit 7 Jahren hier in Berlin und muss ehrlich sagen, dass es nicht leicht war, in der Clubszene zu spielen. Es gibt viele Künstler/innen, welche auch den Wunsch in sich tragen, auflegen zu wollen. Vitamin B ist natürlich immer ein schnelles Mittel, um an sein/ihr Ziel zu kommen. Ich bin ein Mensch, der es gern ohne Druck laufen lässt, weil ich mir selbst sage, „alles fügt sich so wie ich es mir vorstelle und wenn die Zeit da ist“. Dabei gibt es Sachen, die benötigen ZEIT, um zu gedeihen, das daraus etwas Schönes werden kann, wie zum Beispiel eine wunderschöne BLUME. Ich bin echt glücklich, wie es gerade läuft bei mir. Ich bin sehr gespannt, wo die wunderschöne Reise noch so hingeht. Ich halte meine Hand auf und nehme an oder lasse los, was ich nicht möchte in meinem Leben.

MM: Respekt, dass du voll durchziehst und zu den Dingen vordringst, die dich wirklich bewegen! Und Berlin ist sicher kein einfaches Pflaster, um so mehr freuen wir uns über deine Hartnäckigkeit und deinen künstlerischen Weg. Deine Soundcloud verrät ja, dass du ziemlich viel unterwegs bist und in vielen Städten und auch auf vielen Festivals spielst – gibt’s einen Favoriten oder hast du einen Gig in ganz besonderer Erinnerung?

S: Daran kann ich mich noch ganz gut erinnern, als wäre es gestern gewesen. Vor zwei Jahren habe ich das erste Mal auf einem großen Festival gespielt, dem „Zurück zu den Wurzeln“ Festival auf dem Märchenwald Floor. Was für eine schöne Bühne… An dem Sonntagmorgen, an dem ich gespielt hatte, gab es erst mal ein Sektfrühstück mit der Herz und Leber Bande zur Auflockerung, weil ich echt aufgeregt war. Ich hatte mir am Abend davor Gedanken gemacht, auf welcher Geschwindigkeit ich spiele, da auf der Stage schnelle Musik lief. Ich hatte den Gedanken in mir gehabt: „Ich umarme und entschleunige die wunderschönen Menschen mit der Musik“. Die Aufregung verflog, als ich auf PLAY gedrückt hatte und es war traumhaft schön in die Gesichter zu schauen, wie sie gelächelt und die Musik genossen hatten. Ich kann dies nicht in Worte fassen, weil es so schön für mich war. Als mein Set zu Ende war, habe ich wunderschöne Blumen bekommen. Danke an die Menschen, die dabei waren und ein großes Danke an die Wurzel Crew, die für mich wie eine große Familie geworden ist.

Ab diesem Zeitpunkt fing es an, dass die „Seele“ von Seeleâ zu erleuchten und zu erwachen begann. Ich habe mich nach dieser Zeit immer mehr gefunden und was ich mit der Musik eigentlich ausdrücken möchte. Die Musik ist zu meiner inneren Sprache geworden, mit der ich mit der Außenwelt kommuniziere. Es entsteht eine Geschichte und eine Reise, mit der ich die Menschen verzaubern möchte.

MM: Klingt nach einer wirklichen Selbstfindung im besten und positivsten Sinne – als Mensch und auch als Künstler. Das spürt man aber auch in deiner Musik. Wenn du noch weiter zurück schaust: Wie bist du zum Auflegen gekommen und welche Musik inspiriert dich zurzeit?

S: Durch Paul Kalkbrenner bin ich zum minimalistischen Techno gekommen. Als ich dann alt genug war, bin zum CLICK CLACK in die SHOWBOX nach Dresden gegangen, um ihn und die anderen Künstler*innen live zu sehen. Mich hat es extrem beeindruckt, was diese Menschen live für schöne Tracks/Sets gespielt haben.

In der Zeit meiner Ausbildung hatte ich die ersten Erfahrungen mit Vinyl gesammelt und mit dem Auflegen in Clubs angefangen. Nebenbei hatte ich die ersten Versuche mit diversen Musikprogrammen, wie mit Fruity Loops, Reason und Cubase gemacht, bis ich zu Ableton gekommen bin. Dabei konnte ich die ersten Erfahrungen sammeln, wie ich eine eigene Produktion herstellen kann und was ich für ein Know-how für die Entwicklung eines Projektes benötige. Ich fing an Live Sets mit Samples von anderen Songs zusammen zu bauen, um mit diese zu spielen. Bis ich live in Clubs aufgelegt hatte und jetzt nicht mehr aufhören möchte, weil es mir großen Spaß macht Geschichten zu erzählen oder die Emotionen von den Menschen wahrzunehmen.

Da ich oft mit Frequenzen meditiere, die eine heilende Wirkung auf Körper, Geist und Seele haben, komme ich dadurch auf neue Ideen für meine eigene Produktion. Teil davon sind hypnotisch, mystische, atmosphärische Elemente und Melodien die einen Umarmen und Geborgenheit beim Tanzen und hören geben. Gerade finde ich Indie Disco wieder ziemlich gut, bin gespannt was daraus bei mir noch so entsteht.

MM: Mh, das klingt nicht nur theoretisch spannend, sondern wenn man deinen MieseMusik Podcast hört, ist das ja auch ganz praktisch in Sound übersetzt, einfach wahnsinnig fesselnd und atmosphärisch, man schwebt kurzzeitig durch Raum und Zeit. Was gibts sonst Neues in Sachen Musik?

S: Einiges – am 15.11 ist von unserem Label „Herz und Leber“ eine neue EP von Skydrips Namens Tundra rausgekommen. Eine echt schöne Produktion von ihm, sehr atmosphärisch und Deep. Auf der Ep hat der liebe Anselmus und ich einen Remix gemacht, den könnt ihr gerne bei Soundcloud und Spotify anhören, oder bei Beatport käuflich erwerben .

SC: https://soundcloud.com/herzundleber/sets/skydrips-tundra-ep

BP: https://www.beatport.com/label/herz-and-leber/72987

Spätestens im Januar/ Februar kommt meine EP Shuna über unserem Label Herz und Leber raus, darauf freue ich mich jetzt schon. Es werden auf dieser EP zwei Tracks drauf sein die melodisch und atmosphärisch sind, sowas mag ich voll.

MM: Yeah – cooler Sound und auf die EP freuen wir uns schon mega!
Eine Frage, die wir immer stellen und deren Antwort bislang nie identisch war: Wenn du eine Woche auf einer einsamen Insel wärst und dein Marschgepäck sich auf 3 Lieblingsscheiben beschränken würde, welche kämen denn in Frage?

S:  Bei „Adam Port- Tonight“ fühle ich mich schwerelos und verträumt, da macht es auf der einsamen Insel noch mehr Spaß dort zu bleiben.

Diese Scheibe von „Ten Walls – Walking with Elefant, lässt mich in die Ferne schauen um mir zu sagen „hier kannst du bleiben nach deinem langen Weg“.

Mit dieser Scheibe von Kölsch – Zip verbinde ich echt viel. Was für eine schöne Zeit! Das bringt mich gleich zum Lächeln, wenn ich daran denke.

MM: Uff – die Adam Port Scheibe ist aber auch ein echter Killer! (kurz abgelenkt und verstrahlt in die Gegend schauend). Auch die anderen Tracks sind sicher ein Relistening wert! Da würden wir gerne nochmal genauer in deine Lieblingslieder-Playlist schauen, aber leider bleibt keine Zeit. Dennoch – kleiner Blick in die Zukunft: An was arbeitest du zurzeit? Wo kann mich demnächst live erleben?

S: Ich arbeite zur Zeit an 4  Projekten, das werden 2 Downtempo Tracks mit englischen und spanischen Vocals. Auf dieses Projekt bin ich sehr gespannt, weil es eine Herzensangelegenheit wird. Aus dem Downtempo Track werde ich noch eine Instrumentale Version machen, die auf 118bpm gespielt werden kann. Nebenbei bau ich mir diverse Sets für bestimmte Stimmungen, für jede einzelne Musikrichtung, die ich spiele. Ich möchte mich ehrlich gesagt nicht auf eine Musikrichtung vertiefen, sondern auf mehrere, die ich in bestimmten Situationen spielen kann.

Ich werde nächstes Jahr wieder anfangen live zu spielen. Ich hab da ziemlich gut vorgearbeitet, da ich in diesem Jahr viel Material produziert habe.

Demnächst werde ich auf eine Traumreise gehen, wo ich eine Meditation musikalisch anleite für Körper, Geist und Seele. Dies wird ein neues Projekt sein von Dennis (Yogalehrer)  und mir. Dies soll einmal in Monat angeboten werden und kostet etwa 20€. Uns ist wichtig, einEN Raum zu schaffen für die Entfaltung des ॐSEINSॐ mit all seinen facetten.

Gerade habe ich keine Aufritte, die kommen meistens spontan. Ihr seid auf meiner Soundcloud und Facebook Seite immer informiert, wo ich demnächst bin.

Gerade habe ich keine Aufritte, die kommen meistens spontan. Ihr seid auf meiner Soundcloud und Facebook Seite immer informiert, wo ich demnächst bin.

Ganz lieben dank für das Interview und die Veröffetlichung des Podcast bei euch ❤

(Das Interview führte Katja für MM)